Muss Minimalismus öko sein?

Als ich begann mich näher mit dem Thema Minimalismus zu beschäftigen und nach entsprechenden Blogs im Internet suchte, wurde ich ständig damit konfrontiert, dass Menschen nicht nur versuchten mit weniger Besitz zu leben, sondern ihren Besitz und ihr Konsumverhalten möglichst nachhaltig gestalten wollten. Wenig Minimalismus-Blogs kommen ohne Beiträge über nachhaltigen Konsum aus. Es wird auf Plastik und tierische Produkte verzichtet, das Auto verkauft und stattdessen Fahrrad gefahren, nur noch Bio und Fair-Trade gekauft sowie das Deo und andere Kosmetik- und Haushaltsprodukte selbst hergestellt.

Als Minimalistin noch grün hinter den Ohren stellte sich mir irgendwann die Frage, ob Minimalismus öko sein musste? Muss ich meinen gesamten Konsum auf Nachhaltigkeit umstellen, um mich als Minimalistin bezeichnen zu können?

Was bedeutet Minimalismus überhaupt?

Um dieser Frage nachgehen zu können, ist zunächst eine Definition des Minimalismus erforderlich. Ursprünglich kommt der Begriff Minimalismus aus der Architektur und der Mode und bezeichnete einen auf das Wesentliche reduzierten, klaren Stil, der auf alle unnötigen Elemente, die der bloßen Verzierung dienen, verzichtet.

Auf den Lebensstil übertragen verstehe ich unter dem Begriff Minimalismus eine Lebensweise, die sich auf den notwendigen Besitz beschränkt. Da unsere heutige Gesellschaft vom Konsumismus geprägt ist, beginnt der Weg zum Minimalismus für die meisten von uns mit der Reduktion des überflüssigen Besitzes. Eng verbunden mit dem Minimalismus ist daher der Konsumverzicht und auch der bewusste Konsum, weil der Zustand des Minimalismus – der Besitz von ausschließlich als notwendig empfundenen Gegenständen – weder erreicht noch erhalten werden kann, wenn wir uns weiterhin unnötige Gegenstände anschaffen.

Kurz gefasst bedeutet Minimalismus – zumindest für mich – mit wenig Besitz zu leben.

Gründe für den Minimalismus

Wenn der Minimalismus bloß das Leben mit wenigen Besitztümern beschreibt, muss der minimalistische Lebensstil also nicht unbedingt öko sein. Zumindest müssen nicht bewusst nachhaltige Konsumentscheidungen getroffen werden. Zu einem gewissen Grad ist meiner Meinung nach jeglicher Minimalismus nachhaltig, weil nämlich weniger konsumiert und somit weniger Güter produziert und entsorgt werden müssen. Allein dadurch werden Ressourcen geschont.

Welche Konsumentscheidungen wir treffen hängt vielmehr damit zusammen, aus welchen Gründen wir uns dafür entschieden haben minimalistischer zu leben. Während den einen der Umweltschutz am Herzen liegt, geht es den anderen darum, das eigene Leben möglichst einfach zu gestalten. Ein einfaches Leben bedeutet für manche wiederum, – insbesondere durch technischen Fortschritt – möglichst bequem, (orts-)flexibel und effizient zu leben. Für andere bedeutet es dagegen, sich dem als zu schnelllebig empfundenen, modernen technisierten Leben zu entziehen.

Ob jemand bewusst nachhaltig oder bloß nur einfach leben möchte, muss jeder Minimalist für sich entscheiden.

Warum viele Minimalisten öko leben

Dennoch ist es auffällig, dass viele Minimalisten sich Gedanken um Nachhaltigkeit machen. Abgesehen davon, dass der Nachhaltigkeitsgedanke dem aktuellen Zeitgeist entspricht, stelle ich die These auf, dass viele Jetzt-Öko-Minimalisten ihr Leben damals gar nicht mit dem Ziel des Umweltschutzes zu vereinfachen begonnen haben.

Allerdings bewegt uns der Weg zum Minimalismus dazu, uns bewusst mit unseren Konsumentscheidungen auseinander zu setzen. Brauche ich diesen Gegenstand jetzt wirklich? Welche Alternative soll ich kaufen? Welches Produkt ist das Beste für mich? Welche Kriterien sind mir bei einem Produkt wichtig?

Wenn wir anfangen unseren Konsum zu hinterfragen, ist auch die Frage nach der Nachhaltigkeit unserer Konsumentscheidungen nicht weit entfernt. Die Beschäftigung mit dem bewussten Konsum führt viele von uns dazu, nachhaltiger – also mehr öko – leben zu wollen. Dies könnte vielleicht erklären, warum so viele Minimalisten öko leben.

Aber wie gesagt: Minimalist sein kann man auch ohne auf Plastik zu verzichten, vegan oder zumindest vegetarisch zu leben oder auf fairen Handel zu achten. Wie öko er leben möchte, kann jeder (angehende) Minimalist für sich selbst entscheiden.


One thought on “Muss Minimalismus öko sein?

  1. Ich kann Chanel-Minimalist sein und nur Chanel tragen, dafür aber nur sehr wenige Teile davon haben – auch das ist Minimalismus. Generell bin ich offenbar keine Minimalistin, die ich gerne wäre. Was mir allerdings sehr wichtig ist, ist, woher das Zeug kommt, und wohin es geht. Deshalb schaue ich auch bei Fast Fashion schon, wo es produziert wurde und ob die verwendeten Materialien auch aus der Natur, oder aus der Chemiefabrik kommen. Na, und alles, was zwischen „viel“ und „zu viel“ schwankt, kommt auf Kleiderkreisel. Das sind bei mir inzwischen über 150 Artikel, und ich habe weit über 100 schon erfolgreich verkauft oder getauscht.

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