Warum ich meinen Besitz reduziere

kleiderstange

Ich habe begonnen meinen Besitz zu reduzieren, weil ich mich mit meinem Konsumverhalten nicht mehr wohl fühlte.

Ich bestellte Sachen, die ich nicht brauchte

Aus Langeweile oder vor mich hin prokrastinierend durchstöberte ich nahezu jeden Tag das Sortiment meiner liebsten Online-Modegeschäfte. Dieses Verhalten führte dazu, dass ich eigentlich jede Woche mindestens ein Paket erwartete. Wohl überlegt waren meine Einkäufe aber trotz der vielen Stunden des Online-Stöberns aber anscheinend nicht. Meine Rücksendequote lag nämlich deutlich über 50%.

Ich bestellte also ständig Sachen, die ich dann doch nicht so toll fand und auch eigentlich nicht brauchte und schickte sie wieder zurück. Irgendwann schämte ich mich regelrecht für mich Verhalten. Zunächst schämte ich mich nur vor mir selbst (und vor dem Paketboten). Nach dem Zusammenziehen waren mir die ständig eintrudelnden Modelieferungen aber besonders vor meinem Freund peinlich. Dies führte dazu, dass ich hin und wieder Pakete an eine Packstation schicken ließ, um sie dann abholen zu können, wenn mein Freund es nicht mitbekam.

Den Dingen wieder mehr Wert beimessen

Um mein Konsumverhalten in Bezug auf Kleidung, die ja hauptsächlich mein Problem war, zu ändern, mistete ich meinen Kleiderschrank rabiat aus. Alles, was mir nicht zu 100% gefiel, weil es schlecht saß, aus einem unangenehmen Material bestand oder einfach nicht (mehr) mein Stil war, flog raus.

Durch den reduzierten Kleiderschrank stellte ich fest, dass ich die – für meine Verhältnisse – wenigen Kleidungsstücke jeweils für sich wieder viel mehr Wert zu schätzen wusste als zuvor. Jedes Kleidungsstück wird nun häufig getragen und erhält eine Geschichte bestehend aus gemeinsamen Erlebnissen, an die ich bei jedem Tragen erinnert werde.

Das Ausmisten setze ein weiteres Umdenken in Gang

Mit der Reduktion meiner Garderobe war der Damm schließlich gebrochen und ich fing an auch meinen sonstigen überflüssigen Besitz auszusortieren. Ich wollte nicht mehr Besitz, sondern Erlebnisse sammeln. Weniger Ballast soll mir mehr Flexibilität ermöglichen. Ich möchte so wenig besitzen, dass ich meine persönlichen Gegenstände mühelos anderweitig verstauen kann, um meine Wohnung während einer längeren Reise z.B. über Airbnb untervermieten zu können.

Darüber hinaus möchte ich meine Kosten durch die Reduktion meines Besitzes und den Konsumverzicht minimieren, so dass ich flexibler in der Gestaltung meiner Erwerbstätigkeit bin. Ich möchte nicht arbeiten, um zu konsumieren, sondern arbeiten, um zu leben.

Insgesamt möchte ich keine Person (mehr?) sein, die sich Konsumgütern als Statussymbolen bedient. Ich möchte mich nicht über meinen Besitz definieren. Vielmehr sollen Konsumgüter für mich nur noch Gebrauchsgegenstände sein, die entweder in regelmäßigem Gebrauch sind oder den Besitzer wechseln müssen.I began reducing my possesions because I was not content with my comsumer behaviour anymore.

 

2 thoughts on “Warum ich meinen Besitz reduziere

  1. Selten ein so klares Plädoyer für den Minimalismus gelesen. Und ja, fast könnte man eine Formel daraus machen. Weniger besitzen, mehr erleben. The less you have, the more you live.

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