Jakobsweg on a Budget (Teil 4): Kommentierte Packliste

Wie in meinem ersten Beitrag zum Jakobsweg bereits angekündigt, möchte ich heute darüber berichten, inwiefern sich meine Packliste als brauchbar erwiesen hat und was ich nächstes Mal anders machen werde. Ich hoffe, dass andere von meinen Erfahrungen profitieren können und den ein oder anderen Fehler nicht machen 😉

Meine kommentierte Packliste

RUCKSACK: Ein unverzichtbares Must-Have auf dem Jakobsweg 😉 Ich habe mich für den Quechua Forclaz 30 Air von Decathlon entschieden. Neben dem schönen Design und der guten Passform (viele Einstellmöglichkeiten) hat mich der geringe Preis (39,90 EUR) dazu bewegt den Rucksack zu kaufen. Trotz des Preises hat mich die Qualität des Rucksacks überzeugt. Ich würde mich daher jederzeit wieder für ihn entscheiden. Er hat meiner Meinung nach alle Merkmale, die ein Wanderrucksack haben muss. Dieser sollte meiner Meinung nach nämlich nicht zu groß sein, weil er ansonsten ein zu hohes Eigengewicht hat. Ich habe auf dem Weg Leute getroffen, deren Rucksack allein 3kg gewogen hat. Ich halte ein Gewicht von ca. 1kg für empfehlenswert. Weiterhin sollte der Rucksack Seitenfächer haben, in denen man Sachen unterbringen kann, auf die man während des Wanderns zugreifen möchte. In meinem Fall waren dies Wasserflasche, Tempos, Sonnenbrille und Handy (=Kamera). Ein abgetrenntes Fach mit Reißverschluss war auch nützlich, um die getragene Wäsche unterzubringen. Ich fand es darüber hinaus auch gut, dass mein Rucksack eine fest angebrachte Regenhülle hatte. Die Befestigung sorgte auch bei starkem Wind (Sturm..) dafür, dass die Hülle nicht wegflog und verlorenging. Dies ist einem Pilger mit unbefestigter Hülle leider passiert.

 

rucksack

 

NYLON-HANDTASCHE (faltbar): Ja, ich habe meine Longchamp Le Pliage mit auf den Jakobsweg genommen. Vor der Reise hätte ich sie fast aussortiert, um Gewicht zu sparen. Rückblickend bin ich froh, es nicht getan zu haben. Die Tasche nimmt nicht viel Platz im Rucksack weg, war aber täglich nach Ankunft in der Herberge im Einsatz. Ich habe sie als Einkaufstasche genutzt, da ich es hasse, Plastiktüten zu nutzen. Und auch in den Duschen, in denen es oft keine Möglichkeit gibt, die Kleidung so aufzuhängen, dass sie nicht nass wird, war die Tasche praktisch. Ich habe sie einfach geschlossen mit Inhalt an den Türgriff innen gehängt. Nass geworden ist der Inhalt nie und die Tasche ist schnell getrocknet.

DOKUMENTE (Personalsausweis, Kreditkarte, etwas Bargeld, Pilgerausweis): Perfekt. Den Pilgerausweis habe ich vor Ort geholt (Kosten: 2 EUR). Es gibt ihn im Pilgerbüro in St. Jean Pied de Port oder in jedem Ort am Jakobsweg in den Herbergen der Gemeinden und Kirchen. Eine – oft teure und langwierige – Bestellung online im Vorfeld ist nicht nötig. Geld habe ich vor Ort am Automaten abgehoben. Dazu habe ich meine kostenfreie Visa-Karte der Comdirect-Bank genutzt, mit der das Abheben an jedem Automaten mit Visa-Zeichen im Ausland gebührenfrei ist. Ich empfehle euch im Vorfeld auf jeden Fall eine solche Kreditkarte zu beantragen (empfehlenswert ist auch die der DKB-Bank). Ich fand es gut, dass ich so immer wieder nur kleinere Beträge abheben konnte und keine Angst haben musste, bestohlen zu werden.

SCHLAFSACK: Ebenfalls unverzichtbar, da es in den Herbergen in der Regel keine Decken gibt und man sie, wenn es sie gibt, wegen Bettwanzengefahr möglichst nicht verwenden sollte. Ich hatte einen leichten Sommerschlafsack mit einem Gewicht von 750 Gramm. Entgegen der Klimatabelle wurde die Komforttemperatur von 14 Grad im September selbst in den Herbergen teilweise unterschritten, so dass ich wirklich fröstelte. Nächstes Mal würde ich für diese Jahreszeit lieber einen etwas schwereren, aber wärmeren Schlafsack wählen.

schlafsack

HANDY + LADEGERÄT + KOPFHÖRER: Das Handy diente als Pilgerführer (App), Kamera und Notizbuch (Tagebuch) zugleich. Die (In Ear-)Kopfhörer brauchte ich insbesondere, um vor dem Einschlafen noch Podcasts oder Musik zu hören und so das meist sehr laute Schnarchen übertönen zu können. Ansonsten hätte ich oft nicht einschlafen zu können. Das Schnarchen ist oft so unfassbar extrem. Meine Ohrstöpsel aus Schaumstoff sind dagegen nicht wirklich angekommen.

LAUFSCHUHE: Trotz des Unverständnisses, das ich im Vorfeld geerntet habe, bin ich ohne Wanderstiefel losgegangen und würde dies auch wieder so tun. Der Jakobsweg führt meistens über Schotterwege und oft auch über Asphalt, so dass ich den Eindruck hatte mit meinen gut gedämpften und flexiblen Skechers Flex Appeal oft im Vorteil gewesen zu sein. Ich habe mir bei den steilen Aufstiegen und als meine Schuhe im starken Regen durchnässten, zwar kleine Blasen an den Fersen gelaufen, aber diese schmerzten beim Gehen wegen der Flexibilität der Schuhe in einem erträglichen Maße. Gerade auch wegen der Memory Foam-Sohlen, die sich der Fußform anpassen kann ich die Schuhe für längere Märsche gut empfehlen.

 

skechers1

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FLIP FLOPS: Da die Wanderschuhe in den Herbergen ausgezogen werden müssen und die Duschen nicht unbedingt die saubersten sind (Fußpilzgefahr), sind Flip Flops meiner Meinung nach unabdingbar. Ich habe sie außerdem genutzt, um mich nach der Wanderung durch den Zielort zu bewegen. Solltet ihr euch ebenfalls wie ich aus Gewichtsgründen gegen ein Paar Freizeitschuhe (Trekkingsandalen etc.) entscheiden, kann ich euch die Flip Flops von Havaianas nur ans Herz legen. Anders als die Billig-Treter bestehen Havaianas, die in Brasilien wirklich von jedem getragen werden, nicht aus Schaumstoff, sondern aus Naturkautschuk. Dadurch sind sie nicht nur bequemer als die günstigen Zehentrenner, sondern auch quasi unkaputtbar. Meine letzten habe ich nach ca. 6 Jahren entsorgt, weil mir die Sohle an den Kanten zu abgelaufen war 😉

 

havaianas

 

1 FLEECEJACKE: Überlebenswichtig als wärmende Schicht auch in den wärmeren Jahreszeiten, wenn es am Morgen noch kühl ist. Ich war sehr dankbar dafür, dass meine Fleecejacke eine Kapuze hatte. Manchmal war es so windig, dass mir ansonsten fast die Ohren abgefroren wären. Sollte eure Fleecejacke keine Kapuze haben, nehmt auf jeden Fall eine Mütze mit.

1 LANGARMSHIRT (aus Funktionsmaterial): An den kühlen Tagen und abends hat sich das Langarmshirt zu meinem Lieblingsshirt gemausert. Da es im September doch schon kühler war als erwartet, hätte ich lieber ein zweites Langarmshirt und dafür nur ein Kurzarmshirt gehabt.

langarmshirt

2 KURZAMSHIRTS (aus Funktionsmaterial): Siehe oben.

1 LAUFTIGHTS: Für mich perfekt zum Wandern. Ich mag Leggings bei sportlichen Aktivitäten der Bequemlichkeit wegen. Außerdem sind die Lauftights leicht handwaschbar und trocknen schnell.

1 JEANS: Habe ich mitgenommen, um in den Orten präsentierbar auszusehen. Letztlich war meine Eitelkeit aber geringer als gedacht und ich bin ständig in den Tights und bei warmen Temperaturen in Shorts rumgelaufen. Die Jeans sind schwer, trocknen langsam und sind unbequem beim Wandern. Nächstes Mal würde ich mich lieber für eine weitere Lauftights entscheiden.

1 LAUFSHORTS: Die Laufshorts eigneten sich gut für warme Temperaturen und zum Schlafen. Würde ich wieder einpacken.

1 BIKINI: War im meinem Fall absolut unnötig. Die Außenpools, die manche Herbergen hatten, waren im September viel zu kalt. Das Höschen habe ich als dritten Slip genutzt.

1 BH: Ich hatte einen normalen BH dabei, würde mich im Nachhinein aber für einen Sport-BH entscheiden, da letzterer schneller trocknet.

2 SLIPS: 2 Slips + Bikinislip waren ausreichend.

3 PAAR LAUFSOCKEN: Da ich Sportschuhe getragen habe, entschied ich mich dafür in meinen Laufsocken zu gehen. Dies ging auch sehr gut.

1 REGENPONCHO: Regenkleidung war im September absolut notwendig. Der Ratschläge im Internet wegen habe ich mich für einen Poncho entschieden. Dies würde ich nächstes Mal anders machen und eine Regenjacke und Regenhose mitnehmen. Der Poncho verdeckt die Beine sowieso nicht ganz, so dass auch hier eine Regenhose notwendig gewesen wäre. Eine Regenjacke hätte ich besser gefunden, weil sie weniger in der Bewegungsfreiheit einschränkt und dadurch auch wenn es nicht regnet, als zusätzliche wärmende, gegen Wind schützende Schicht über der Fließjacke getragen werden kann.

 

regenjacke regenhose

 

 

 

 

 

 

 

SONNENBRILLE: Die Sonnenbrille habe ich oft getragen und würde sie daher wieder mitnehmen.

SONNENHUT: Den Sonnenhut brauchte ich im September dagegen nicht wirklich. Im Hochsommer würde ich einen Sonnenhut mitnehmen, ansonsten nicht mehr.

MEDIKAMENTE: (Allergie- und Migränetabletten, Pille, Magnesium, Pflaster, Nadel zum Blasen aufstechen, Feuerzeug zur Nadeldesinfektion): Ich hatte gerade am Anfang sehr mit Wadenkrämpfen zu kämpfen, brauchte also viel Magnesium. Dieses ist in Spanien allerdings sehr teuer und nur in der Apotheke oder in den Herbolerias erhältlich. Da uns das Zeug in Deutschland quasi hinterhergeworfen wird, würde ich nächstes Mal für jeden Wandertag eine Tagesdosis hochdosiertes Magnesium mitnehmen.

KOSMETIK: (Nagelschere, Pinzette, Rasierer, 2 in 1 Shampoo Duschgel (100g Behälter), Creme (Reisegröße), Mascara, Zahnbürste, Zahnpasta (Reisegröße), Zahnseide, Deo, Kontaktlinsen-Flüssigkeit (Reisegröße), Kontaktlinsenbehälter, Kamm, 3 Haargummis, 2 Päckchen Tempos, Ohrstöpsel): Ich konnte meine Kontaktlinsenflüssigkeit in Spanien nicht finden und musste daher leider auf ein schlechteres Produkt zurückgreifen. Nächstes Mal würde ich mir daher auch hier eine Menge mitnehmen, die für die gesamte Wanderung ausreicht. Als Zahnpasta habe ich mich für Ajona entschieden (linsengroße Menge reicht) und würde dies auch wieder tun. Vor Ort gekauft haben wir ein Handwaschmittel von Mercadona, dem spanischen Äquivalent zu Rewe (100ml Flasche für 1 EUR). Dies würden wir auch wieder so machen, nachdem uns unsere Tube Handwaschmittel von DM (Eigenmarke: „Denk mit“) am Frankfurter Flughafen abgenommen wurde, weil die 125ml Tube der Flüssigkeitsregelung für das Handgepäck nicht entsprach. Da hat DM leider nicht mitgedacht 😉

1 MIKROFASER-HANDTUCH: Ich habe mich für ein großes Mikrofaser Handtuch von Decathlon entschieden. Dieses hat den Vorteil, dass es gegenüber Frottee-Handtüchern sehr leicht ist und schnell trocknet. Ich finde, es fühlt sich sehr angenehm auf der Haut an und die dunkelgrau-pinke Farbkombi ist auch sehr schick, oder? 😉 Jedenfalls habe ich mich für das große Handtuch entschieden, um es auch mal als Picknickdecke zu verwenden oder mich draußen darauf zu legen. Diese Verwendungsmöglichkeiten habe ich dann doch nicht genutzt (in Spanien gibt es überall öffentliche Banken). Ich würde mich trotz des Mehrgewichts aber wieder für das große Handtuch entscheiden, weil ich es nachts gerne als einen Vorhang vor meinem Bett verwendet habe, um mir eine Art Höhle zu bauen, die ein wenig Privatsphäre ermöglicht und gegen die Stirnlampen am frühen Morgen oder mitten in der Nacht schützt.

mikrofaser_handtuch

2 SICHERHEITSNADELN: Doch nicht mitgenommen und bereut. Die Sicherheitsnadeln wären praktisch gewesen, um gewaschene Kleidung, die in der Nacht nicht getrocknet ist, während des Gehens am Rucksack zu trocknen.

1 KLEINER LÖFFEL: Habe ich mitgenommen, um unterwegs auch mal einen Joghurt etc. essen zu können, was ich allerdings nicht getan habe. Genutzt wurde der Löffel stattdessen, um unterwegs Merkmale oder Nutella auf das Baguette zu streichen 😀 Nächstes Mal würde ich mich lieber für ein Taschenmesser mit Korkenzieher entscheiden.

Welche Gegenstände haben mir gefehlt?

WARME JACKE: Leider war es während unserer Wanderung im September überdurchschnittlich kalt auf dem Jakobsweg. Bei Temperaturen zwischen 4-8 Grad bis zum Mittag habe ich trotz Bewegung in meiner Fleecejacke gefroren. Nächstes Mal werde ich eine Ultra Light Daunenjacke mitnehmen, die gut warm hält, aber dennoch in einem kleinen Transportbeutel im Rucksack verstaut werden kann ohne viel Platz und Gewicht einzunehmen.

 

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WARME UNTERWÄSCHE (aus MERINO-WOLLE): Auch eine warme Schicht Unterwäsche aus Merino-Wolle (lange Hose und Langarmshirt) werde ich nächstes Mal mit auf den Jakobsweg nehmen.

WÄSCHEKLAMMERN: In jeder Herberge, die ich besucht habe, gab es Wäscheleinen oder Wäscheständer, nicht aber Wäscheklammern. Da es doch oft windig war, wäre es besser gewesen, Klammern dabei zu haben, damit die Wäsche nicht von der Leine fliegt

TASCHENMESSER (mit KORKENZIEHER): Gefehlt hat uns weiterhin ein Taschenmesser (zum Schneiden von Melone und Käse zum Beispiel) und ein Korkenzieher (Wein :D). Nächstes Mal würden wir gern beides vereint in einem Produkt mitnehmen, müssen aber mal schauen, wie sich das Flugtechnisch arrangieren lässt (vermutlich einen Rucksack einchecken).

ÄTHERISCHES ÖL: Manche Gerüche in den Herbergen (oder von anderen Pilgern ausgehend) sind wirklich fies. Ich hätte mir ein gutriechendes ätherisches Öl gewünscht, von dem ich einen Tropfen an den Schlafsack hätte geben können, um andere Gerüche zu überdecken.

Das war also meine kommentierte Packliste. Ich hoffe, der Beitrag hat euch geholfen. Wenn ihr Anmerkungen habt, könnt ihr mir gerne weiter unten einen Kommentar hinterlassen :)

Meine weiteren Beiträge zur Serie „Jakobsweg on a Budget“ verlinke ich euch hier:

Jakobsweg on a Budget (Teil 1): Meine Packliste
Jakobsweg on a Budget (Teil 2): Manchmal kommt es anders als geplant
Jakobsweg on a Budget (Teil 3): Der Alltag auf dem Jakobsweg
Jakobsweg on a Budget (Teil 4): Kommentierte Packliste


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