Jakobsweg on a Budget (Teil 3): Der Alltag auf dem Jakobsweg

Massenschlafsäle, Selbstverpflegung und Handwäsche. So sah der Alltag für uns als Budget-Pilger auf dem Jakobsweg aus.

Obwohl wir stets gegen 5 Uhr von dem Rucksackrascheln, Türenknallen und den Stirnlampen der Frühaufsteher geweckt wurden, blieben wir meist noch bis 6:30 Uhr im Bett liegen. Morgens ist das Bett einfach am gemütlichsten 😉 Irgendwann rafften wir uns dann zur Morgentoilette auf. Unser Frühstück nahmen wir meist – bevor wir loswanderten – in der Herberge zu uns. Es gab entweder Brot mit Käse, Marmelade oder Nutella oder Cornflakes. Die Lebensmittel kauften wir am Vortag im Supermarkt und nahmen den Rest als Reiseproviant mit auf den Weg. Wenn es keinen Supermarkt im Dorf gab, frühstückten wir im nächsten Ort in einer Bar (Desayuno mit Croissant oder belegtem Weißbrot und Kaffee, ca. 3 EUR).

Camino_Fruehstueck
Frühstück in einer Bar. Der Kaffee in Spanien ist meist sehr gut!

Da die Herbergen in der Regel bis 8 Uhr zu verlassen waren, machten wir uns gegen 7:30 auf den Weg. Als Tagesziel suchten wir einen Ort aus, der in 20-30 km zu erreichen war. Manchmal waren wir jedoch so fertig, dass wir einen oder zwei Orte früher unser Lager in einer Herberge (Albergue) aufschlugen. Die Wanderung auf dem Camino Frances führte uns in der Regel durch Landschaften bestehend aus Hügeln und Feldern, aber auch an Flüssen entlang und durch den Wald. In der Ferne sieht man oft beeindruckende Berglandschaften. Als Stadtmensch im Rhein-Main-Gebiet lebend war es für mich besonders interessant mal in einer Umgebung zu sein, in der weit und breit die einzigen Merkmale des modernen Lebens die Windräder zur Stromerzeugung waren. Oft geht man aber auch einfach stundenlang neben der Landstraße lang, was dann eher nicht so schön ist.

Camino
El camino :)

Hin und wieder legten wir eine Pause an einer der zahlreichen Banken und Rastplätze am Wegrand ein und nahmen einen Snack (Kekse, Bananen etc.) zu uns. Viele Pilger verbrachten ihre Pausen in den Bars und aßen dort etwas oder tranken einen Kaffee. Wir gönnten uns dies aus Kostengründen nicht so oft, was aber nicht schlimm war. Wenn die Sonne scheint, lässt es sich gut draußen picknicken.

Irgendwann erreichten wir dann unseren Zielort (oder eben den davor 😀 ), suchten uns eine Herberge aus und fragten nach freien Betten. Im Internet haben wir im Vorfeld gelesen, dass der Run auf die Betten sehr groß und es daher schwierig sei, ohne vorherige Reservierung ein Bett zu bekommen. Im September und nicht auf den letzten 100km war allerdings nicht der Fall. In jeder angefragten Herberge bekamen wir ein Bett, obwohl wir oft erst spät lospilgerten und daher meist zwischen 15 und 16 Uhr in der neuen Herberge ankamen. Die Ausnahme bildeten die Herbergen in den großen Ortschaften (Pamplona, Logrono, Burgos). Hier waren die Herbergen sehr früh voll. Allerdings kann man diese Orte ohnehin gut nutzen, um sich mal eine Auszeit von den Massenschlafsälen zu gönnen und ein Einzel- und Doppelzimmer im Hotel gönnen (ca. 40-50 EUR für ein Doppelzimmer).

Die Herbergen. Oh ja, die sind wirklich ein Thema für sich. Einige Herbergen sind wirklich sehr schön und gepflegt und gleichen von der Ausstattung her eher einem Hostel. In vielen Herbergen allerdings bekommt mal wirklich, wofür man bezahlt (meist 5-8 EUR pro Bett). Massenschlafsäle mit oft mehr als 10 Hochbetten, also für 20+ Personen, sind an der Tagesordnung. In einem Ort fanden wir uns in einer Unterkunft wieder, die 92 Personen in einem Raum beherbergte. Schnarcher und unangenehme Gerüche vorprogammiert. Die Hochbetten haben oft klapperige Metallgestelle, so dass man jede Bewegung der Person über oder unter einem spürt. Kissen gibt es in der Regel, aber keine Bettdecken. Ohnehin werden die Laken nicht nach jedem Pilger gewechselt, so dass es angebracht ist, in einem Schlafsack zu schlafen.

Auch wegen der Bettwanzen, die es leider wirklich gibt. Ich habe einige Pilger mit roten Stellen an den Beinen oder Armen auf dem Weg gesehen. In einem meiner Betten fand ich dann auch fremde Blutschlieren auf dem Bettlaken und eine zerquetschte Wanze. Da es aber regnete und sehr kalt war, hatte ich keine Muße einen Ort weiterzugehen, um eine andere Herberge zu finden. Also vergrub ich mich tief in meinem Schlafsack und zog die Kapuze fest zu und hoffte nicht gebissen zu werden. Das hat wohl auch geklappt. Jedenfalls konnte ich am nächsten Tag keine roten Bissspuren an meinem Körper finden.

Massenschlafsaal
Massenschlafsaal in Najera.

Naja, aber selbst an die manchmal etwas widrigen Umstände in den Herbergen konnte ich mich gewöhnen (so lange die Herbergen nicht kalt waren, was leider an den kalten Tagen doch oft der Fall war). Von Zeit zu Zeit mussten wir uns allerdings doch ein Doppelzimmer nehmen, um Energie zu tanken. Diese Privatsphäre. Der pure Luxus…

In der Herberge angekommen, ruhten wir uns meist etwas aus, indem wir einfach nur reglungslos im Bett lagen. Gerade die ersten Tage waren sehr anstrengend. Der Körper muss sich erstmal an die ungewohnte Belastung gewöhnen. Später gingen wir duschen und machten danach die Handwäsche. Da wir ja um Gewicht zu sparen nur sehr wenig Kleidung mitgenommen haben, war dies spätestens jeden zweiten Tag notwendig. Einmal in der Woche wuschen wir die Kleidung in der Waschmaschine, welche die meisten Herbergen vor Verfügung stellen (ca. 3 EUR pro Waschgang). Entweder habe ich den Dreh einfach nicht so raus oder die Kleidung wird bei der Handwäsche einfach nicht so richtig sauber. Jedenfalls roch die Kleidung ( die Socken…ihhh) nach mehreren Tagen Handwäsche nicht mehr so prickelnd.

Camino_Oma
Wadenkrämpfe…
Pamplona
Das leergefegte Pamplona am frühen Morgen.

Nach dem Waschen gingen wir meist in den Supermarkt (oder kleinen Dorfladen), um Zutaten für unser Abendessen zu kaufen, dass wir in der Herbergsküche zubereiteten. Wenn es kein Lebensmittelgeschäft oder keine Küche gab (oder aber wir einfach nur zu kaputt waren, um abends noch selbst zu kochen), nahmen wir ein Pilgermenü in der Herberge oder in einem Restaurant zu uns (7,50 – 12 EUR). Wobei ich das Selbstkochen aus mehreren Gründen bevorzugte. Es ist günstiger, als Nicht-Fleischesserin hatte ich weniger Probleme bei der Nahrungswahl und die Portionen waren ausreichend groß. Nach den landen Wandertagen von ca. 5-6 Stunden waren mir als ziemlich gefräßige Person die Pilgermenüs bestehend aus Vorspeise, Hauptspeise, Dessert und Weins meistens einfach zu klein 😛 Nach dem Abendessen war schließlich noch etwas Zeit für Unterhaltungen oder Tagebucheinträge und zwischen 21 und 22:30 Uhr ging in den Herbergen auch schon das Licht aus.

In den nächsten Beiträgen möchte ich noch über die Sinnhaftigkeit meiner Packliste berichten und ein Fazit ziehen, wieviel Geld ihr für den Jakobsweg veranschlagen solltet. Dann war es das auch mit den Jakobsweg-Posts. Schließlich soll das hier ja ein Minimalismus-Blog sein 😉

Meine weiteren Beiträge zur Serie „Jakobsweg on a Budget“ verlinke ich euch hier:

Jakobsweg on a Budget (Teil 1): Meine Packliste
Jakobsweg on a Budget (Teil 2): Manchmal kommt es anders als geplant
Jakobsweg on a Budget (Teil 3): Der Alltag auf dem Jakobsweg
Jakobsweg on a Budget (Teil 4): Kommentierte Packliste


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