Besitz als Ballast: Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich

Vermutlich kommt dir der Titel dieses Artikels bekannt vor. Ich habe ihn aus dem durchaus minimalistischen Film „Fight Club“ übernommen. „Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich“.

Ich denke, dass diese Weisheit nicht erst dann zutrifft, wenn wir in unserer vollkommen zugestellten Messie-Bude sitzen und nicht mehr wissen, wo oben und wo unten ist. Obwohl es meiner Meinung nach zutrifft, dass ein vollgestopfter Raum unsere Gedanken belastet, weil das Chaos unsere Konzentration hindert, uns davon abhält das Wesentliche zu fokussieren.

In diesem Artikel möchte ich allerdings darauf hinaus, dass unser jeglicher Besitz uns zu einem gewissen Grad vereinnahmt.

Wer ein draußen abgestelltes Auto oder einen Motorroller besitzt, sorgt sich möglicherweise darum, ob das Fahrzeug in seiner Abwesenheit gestohlen, abgeschleppt oder beschädigt wurde. Der Eigentümer eines Hausgrundstücks hat für dessen Instandhaltung Sorge zu tragen. Und auch unser alltägliches Gerümpel will aufgeräumt, geputzt und hin und wieder repariert werden. Die Instandhaltung unseres Besitzes kostet dabei nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Viele Gegenstände kosten daher nicht nur einmalig in der Anschaffung, sondern sind mit laufenden Kosten verbunden.

Mit fortschreitender Zeit und ungebändigtem Konsum wächst unser Gerümpel schließlich und entwickelt ein Eigenleben. Bald wird ein größeres Regal, ein größerer Schrank und schließlich gar eine größere Wohnung (oder gar gleich ein ganzes Haus?!) notwendig. Bei jedem Umzug muss jeder einzelne Gegenstand unseres Hausrats ordentlich in Kissen verpackt, die alten Treppen herunter getragen, zur künftigen Wohnung transportiert, die neuen Treppen wieder hoch getragen und wieder ausgepackt werden.

Und dass dabei bloß das gute Geschirr nicht zu Bruch geht!

Nun haben wir unseren Wohnraum also vergrößert. Vermehrt hat sich dadurch nicht nur die Zeit, die wir mit dem Putzen verbringen, sondern höchstwahrscheinlich auch unsere laufenden Mietkosten. Möglicherweise haben wir uns aber auch gleich für Wohneigentum entschieden und uns mit dem ach so zinsgünstigen Darlehen für die nächsten Jahre eine weitere Last aufgebürdet.

Mit jeder Finanzierung und jedem Prestigeobjekt, das wir uns anschaffen, steigt der Druck ausreichend Geld zu verdienen, um unseren sogenannten Lebensstandard erhalten zu können. Die Angst vor dem vermeintlichen sozialen Abstieg durch einen Jobverlust und damit auch unser emotionaler Ballast steigen.

Irgendwann sind wie so sehr damit beschäftigt, unseren Besitz zu organisieren und Geld für dessen Lagerung, Instandhaltung und Finanzierung zu verdienen, dass wir nicht merken, wie uns die Zeit zum Leben ausgeht.

 

 

One thought on “Besitz als Ballast: Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich

  1. Schön analysiert. Mir kam beim Lesen das Bild von zwei Hamstern in ihrem berühmten Rad, jeder bemüht noch schneller zu laufen, damit sie sich einen dicken Kredit bei der Hamsterbank holen können, um dann einen großen schweren Rucksack (viel größer und schwerer als der des Nachbarn) zu „kaufen“. Aber immerhin hat der Rucksack dann einen großen Garten, einen Pool, Sportzimmer und Sauna. Und eine Schar von Angestellten Hamsterhelfern, die sich darum kümmern.

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