„Aber das hat doch mal Geld gekostet“ – 5 Gründe, warum wir uns von unseren Dingen nicht trennen können

1. „Vielleicht kann ich es noch einmal gebrauchen.“

Ja, vielleicht können wir das. Wenn wir das Schokoladen-Fondue-Set oder den Milchaufschäumer jedoch die letzten 12 Monate nicht mehr genutzt haben, stehen die Chancen schlecht, dass dieser Fall zeitnah eintreten wird. Wenn mir beim Ausmisten der Einwand kommt, dass ich einen Gegenstand vielleicht noch einmal gebrauchen könnte, stelle ich mir daher die folgende Fragen: Wann habe ich den Gegenstand das letzte Mal genutzt? Wie wahrscheinlich ist es realistisch betrachtet, dass ich den Gegenstand in absehbarer Zeit doch gebrauchen werde? Wie groß wäre für mich im Fall der Fälle der Aufwand einen vergleichbaren Gegenstand zu beschaffen? Auf unsere Beispiele bezogen ist es so, dass ich meine Faulheit wohl auch in absehbarer Zeit nicht überwinden können werde, um meine Milch aufzuschäumen. Das Schokofondue ist nicht gerade praktisch und war eigentlich auch nur beim ersten Gebrauch interessant. Sollte ich unerwartet doch einen der beiden Gegenstände benötigen, kann ich ihn über die einschlägigen Kleinanzeigen für wenig Geld oder gar geschenkt in meinem Umkreis auftreiben, da ich nicht die Einzige bin, welche die genannten Dinge loswerden möchte.

2. „Aber es hat doch mal Geld gekostet.“

Das stimmt! Möglicherweise hat uns ein Gegenstand sogar einmal sehr viel Geld gekostet. Allerdings ändert sich an der Tatsache, dass wir unnütz Geld für unnützen Krempel ausgegeben haben, auch nichts, wenn wir den Plunder aufbewahren ohne ihn zu verwenden. Ganz im Gegenteil, wenn wir den Gegenstand horten, investieren wir weiterhin unnütz in ihn. Nämlich die Zeit, die wir aufwenden, um ihn zu reinigen oder ihn zu bewegen, damit wir um ihn herum putzen können. Der Gegenstand nimmt uns Raum weg, denn wir anderweitig nutzen könnten. Möglicherweise ärgern wir uns auch bei seinem Anblick darüber, dass er uns einmal Geld gekostet hat und nun herumsteht. Das Beste, was wir also machen können, ist uns von dem Gegenstand zu trennen. Vielleicht können wir ihn sogar verkaufen und den Betrag unserer Fehlinvestition dadurch mindern.

3. „Es war doch ein Geschenk.“

Mich von Geschenken zu trennen fällt mir meistens äußerst schwer. Schließlich hat hier jemand an mich gedacht und wollte mir eine Freude machen. Allerdings sorgt der Anblick von Geschenken, die ich nicht oder nicht mehr benötige, oft für ein schlechtes Gewissen. Zum einen, weil ich das Geschenk nicht verwende und zum anderen, weil ich es nicht schaffe, mich davon zu trennen. Ich versuche daher den Akt des Beschenktwerdens von dem geschenkten Gegenstand an sich zu trennen. Ich freue mich immer noch darüber, dass jemand so nett war und mir ein Geschenk gemacht hat. Das nicht mehr genötigte Geschenk gebe ich allerdings an jemanden weiter, der es besser gebrauchen kann als ich. Ich hoffe, dass dies auch im Sinne des Schenkenden ist und er glücklicher darüber ist, wenn es von einer anderen Person verwendet wird, anstatt mich zu belasten.

4. „Aber es ist doch selbstgemacht.“

Noch schwieriger loszulassen als Geschenke sind Geschenke, die jemand anders selbst gemalt, gebastelt oder gebaut hat. Wenn eine Person viel Mühe und Liebe in die Herstellung eines Gegenstands investiert hat, möchten wir dies auch wertschätzen. Dies tun wir aber nicht dadurch, dass wir das Kunstwerk bloß aus Gewissensgründen bei uns aufbewahren und verstauben lassen. Besser wäre es den selbstgemachten Gegenstand einer Person zu überlassen, die ihn auch nutzen würde. Auf diese Weise findet das Produkt eine Verwendung und die Mühen des Herstellers sind sinnvoll und nützlich gewesen.

5. „Es ist doch ein Erinnerungsstück.“

Das König-der-Löwen-Plüschtier, das Abishirt und der alte Ring der Großmutter. Sie alle haben etwas gemeinsam. Sie gehören zu der Kategorie von Gegenständen, die man zwar weder benötigt, noch nutzt, von denen man sich aber einfach nicht trennen kann, weil so viele Erinnerungen daran hängen. Auch mir fällt es schwer, mich von Erinnerungsstücken zu trennen. Allerdings möchte ich mir die Wohnung auch nicht mit Dingen zustellen, die ich nicht mehr verwende. Und ganz ehrlich, die ich mir auch nicht mehr wirklich bewusst anschaue, um mich zurückzuerinnern. Ich habe daher eine schöne, kleine Kiste angelegt, die in meinem Kleiderschrank steht. In der Kiste bewahre ich kleine Gegenstände, wie Skulpturen oder alte Brief auf, die mir wirklich viel bedeuten. Von Zeit zu Zeit öffne ich die Kiste und schwelge in Erinnerungen. Von den weniger wichtigen oder großen Erinnerungsstücken trenne ich mich allerdings und mache mir bewusst, dass ich mich nur von dem Gegenstand, nicht aber von der Erinnerung selbst trenne, die ja in meinem Gedächtnis weiter existiert. Wer sich auch von größeren Erinnerungsstücken nicht trennen kann, dem hilft es vielleicht, ein Foto von dem Gegenstand anzufertigen und es mit in die Erinnerungskiste zu legen.

Dies waren also die Gründe uns nicht von Gegenständen trennen zu wollen, die mir bisher eingefallen sind. Sicherlich gibt es noch weitere Gründe. Was hindert dich daran Gegenstände loszulassen? Ich freue mich über jeden Kommentar!

2 thoughts on “„Aber das hat doch mal Geld gekostet“ – 5 Gründe, warum wir uns von unseren Dingen nicht trennen können

  1. Einen sehr schönen blog hast du hier. Gründlich geschriebener Artikel. Jeder Punkt kam mir von mir selbst bekannt vor. Geschenke waren das schwerste im Nachhinein. Am schwierigsten noch immer der Gedanke einen Fehler zu machen. Die Gummistiefel. Nur einmal gebraucht, viel zu klobig für jede weitere Reise, aber was wenn der Keller mal unter Wasser steht oder es in fünf Jahren mit dem Kind auf einen Bauern geht. Die „Irgendwann-vielleicht-doch-nochmal-brauchbar-Falle“ ist und bleibt am hartnäckigsten; zumindest bei mir.

  2. Was die meisten Menschen am meisten fürchten ist nicht der Verlust, sondern die sog. „sunk costs“, also die versenkten Kosten. Ich habe inzwischen den ganzen Keller voll mit Zeug, das verkreiselt gehört und dort tlw. schon eine ganze Zeit online ist – nur kommt es so halt auch nicht aus meinem Leben. Ich bekomme inzwischen von der gesamten Verwandtschaft Kisten mit Kleidung „zum verkreiseln“ – ich mache das furchtbar gerne, aber schön langsam wird’s zu viel. Sie laden ihr Zeug mit gutem Gewissen bei mir ab, und ich akkumuliere es.

    Schön langsam beginne ich, meinen Sammeldrang psychologisch zu hinterfragen, im Stil von „was fehlt mir, dass ich die Lücke versuche, durch Dinge [Kleidung] zu füllen?

    Ich denke, diese Reflexion ist der größte und allerwichtigste Teil am Minimalismus überhaupt. Ohne das geht gar nichts, und es bewegt sich nichts, sondern man wird schnell wieder ins alte Muster zurückfallen. Weil sich an der psychischen Landschaft innen drin ja nichts verändert hat.

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